Prävention gegen Verbrechen

16.04.2026
Von Friedrich-Wilhelm Trottmann
 
Nindorf – Mit Polizeihauptkommissar (PHK) a.D. Günter Santjer hatte Anne Ohlsen als Vorsitzende der Seniorenunion einen Experten zum Vortrag „Die miesen Maschen der Betrüger. Wie schütze ich mich?“ gewonnen.
Santjer war von 1972 bis 89 in Büsum tätig, ab 1992 in Heide und übte ab 1998 seine Lieblingstätigkeit Presse- und Präventionsarbeit aus. Der Enkeltrick funktionierte immer noch, so Santjer. „Schon 1998 wurde dazu eine landesweite Präventionskampagne gestartet, an der wir uns als Polizeiinspektion Heide natürlich beteiligt haben“ betonte der pensionierte PHK. Es wurden Probleme, Schäden sowie Unfälle vorgeschoben, um finanzielle Hilfe zu erbitten. Rücksprache mit dem wirklichen Enkel würden diese Masche sofort aufdecken. Falsche Polizisten wollen Wertsachen vor Diebstahl in sichere Verwahrung nehmen. Santjer: “Wenn 110 im Telefondisplay erscheint, ist es immer ein Betrüger, die richtige Polizei ruft so nicht an, die Rufnummer ist gefälscht!“ Ein Verkehrsunfall pp. wird vorgetäuscht, ein angeblicher Staatsanwalt spricht von Festnahme und Haft, die nur durch sofortige Zahlung einer Kaution verhindert werden könne. Mit Viren auf dem PC werden Geldsummen erpresst.
Alte Namen wie Friedrich, Wilhelm oder Elisabeth und kurze wie drei- oder vierstellige Telefonnummern im Telefonbuch weisen auf ältere Personen hin, die dann als Opfer angerufen werden.
Angebliche Polizisten zeigen falsche Ausweise vor, Ganoven geben sich als Dachdecker oder andere Handwerker an der Haustür aus und bieten dubiose Leistungen an. Der Betrug über die sozialen Medien nimmt immer mehr zu, die Zusammenarbeit, beispielsweise mit der Türkei, zeige erste Erfolge. Oftmals konnten „Geldabholer“ festgenommen und Callcenter ausgehoben werden.
Diebstähle aus Einkaufswagen im Supermarkt nehmen immer mehr zu. Die Handtasche liegt oft darin und wird durch Ablenkung aus den Augen gelassen.
Leider liegt bei den Strafverfolgungsbehörden und den Medien der Fokus überwiegend nur auf den Tätern. Günter Santjer, der auch ehrenamtlich für den WEISSEN RING tätig war, dazu: “Die Opfer werden zu wenig beachtet, obwohl diese häufig lebenslang darunter leiden, während die Täter nach einigen Jahren unbeschwert weiterleben können!“ Hier hilft der WEISSE RING, der im September 1976 von Eduard Zimmermann, dem Erfinder der Fernsehserie XY-ungelöst, und Mitstreitern gegründet wurde. Diese Opferhilfe ist eine segensreiche Institution für Betroffene geworden, die nicht nur finanziell hilft, sondern auch seelische und praktische Unterstützung nach einem Verbrechen anbietet. In diesem Jahr begeht der WEISSE RING sein 50-jähriges Jubiläum.
Eine anschließende Diskussion war sehr mit selbst erlebten Vorfällen gespickt und zeigt ganz deutlich, dass dieser Personenkreis der Senioren eine beliebte Zielgruppe ist und bleibt.
Zum Schluss überreichte Ohlsen Santjer eine süße Leckerei für seinen sehr interessannten Vortrag.